
Tage des Zorns
Filmstart: 28.8.
Regie: Ole Christian Madsen;
Darsteller: Mads Mikkelsen, Thure Lindhardt, Stine Stengade u.a.
Kopenhagen 1944. Im Auftrag ihres Vorgesetzten Winther begehen die beiden Männer mit den Spitznamen "Flamme" und "Zitrone" Attentate auf Kollaborateure im von den Nazis besetzten Dänemark. Dabei gehen sie äußerst kaltblütig vor: hier der überzeugte Antifaschist Flamme, dort der ältere Zitrone, der seine Wut kaum zügeln kann und sich dennoch um seine Familie sorgt, die sich nicht nur emotional immer weiter von ihm entfernt. Zweifel an den Taten kommen erstmals auf, als Flamme und Zitrone das Gerücht zu Ohren kommt, Winther habe ihnen einige Attentate nur deshalb zugeschanzt, um sich persönlich zu bereichern. Also beschließen die beiden Widerstandskämpfer, sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Und dazu muss zu allererst der Gestapo-Chef Hoffmann ins Gras beißen. Und welche Rolle spielt eigentlich die attraktive Ketty, in die sich Flamme verliebt hat? Arbeitet sie wirklich für den Widerstand oder steckt sie mit den Nazis unter einer Decke? Oder beides?
Von der Atmosphäre und den Farben her erinnert "Tage des Zorns" eher an historische Gangsterfilme wie "Miller’s Crossing" als an aufwändige Kriegsfilme. Denn bei ihren Aktionen gehen die beiden Hauptfiguren sehr überfallartig vor. Autor und Regisseur Ole Christian Madsen ("Kira") entwirft in seinem klugen, spannenden Film eine gekonnt klaustrophobische Szenerie – und stellt essenzielle Fragen: Ist für den Widerstand jedes Mittel recht? Gibt es den moralisch einwandfreien Mord? Wie gehen die Attentäter mit ihren Taten um? Als Hauptdarsteller überzeugen Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen ebenso wie Thure Lindhardt ("Was nützt die Liebe in Gedanken?"). Als Gestapo-Chef ist übrigens der Deutsche Christian Berkel zu sehen, er war auch schon in Paul Verhoevens viel grobschlächtigeren Widerstandsthriller "Black Book" mit von der Partie. Man hat den Eindruck, dass "Tages des Zorns" jener Film ist, den Verhoeven wohl gerne gedreht hätte. Übrigens: Den beiden Männern mit den Spitznamen "Flamme" und "Zitrone" sind in Kopenhagen Gedenksteine gewidmet.
Martin Schwarz
Stand: 15.7.2008